John Degenkolb sprintet mit Tagessieg in Brotterode ins Gelbe Trikot
Donnerstag, den 17. Juni 2010 um 21:10 Uhr
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War das eine Aufregung. Zur Halbzeit des Rennens meldete der Tourfunk, dass John Degenkolb nach der ersten Bergwertung der 3. Etappe rund vier Minuten hinter einer neunköpfigen Spitzengruppe lag, in der zum Thüringer Trost wenigstens sein Teamkollege Maximilian May kurbelte. Am Inselsberg wurde der 21-jährige Erfurter noch mit knapp zwei Minuten hinter einer neuen Viererspitze notiert.

Doch nach weiteren drei Rennsteigüberquerungen kam doch noch alles anders. Nach 160 Kilometern raste der frischgebackene deutsche Meister allein mit dem Australier Timothy Roe auf die Zielgerade in Brotterode und ließ dem 19-jährigen Mannschaftsverfolgungs-Weltmeister aus Sydney im Spurt keine Chance. Dass er seinem Wegbegleiter im Kampf um das Gelbe Trikot auch noch drei Sekunden abgenommen hatte, war eine Zugabe, die so nicht geplant war und beim Thüringer Energie Team helle Freude auslöste.

"Weil John die Nerven behalten hat", erklärte Teamchef Jörg Werner freudestrahlend am Ziel, "und weil er sich an unsere Strategie gehalten hat, sich aus dem Gerangel am Anfang herauszuhalten und erst am letzten Berg zu attackieren."

Die eiserne Attacke am kurzen, aber steilen Stahlberg bei Seligenthal, der letzten Bergwertung etwa 10 Kilometer vor dem Ziel, war nach Degenkolbs Aussage genau so geplant. "Ich kannte hier jeden Kilometer", erklärte der WM-Dritte, während er sich am Mannschaftswagen genüsslich kühles Frischwasser über den Kopf goss. "Beim Training vorige Woche habe ich hier eine Attacke simuliert. Und nun konnte nur noch der Australier folgen."

Die Leistung des Thüringers anerkannte auch Axel Mercks. "Das war eine professionelle Attacke mit durchschlagender Wirkung", sagte der Teamchef von Lance Armstrongs global rollender Talenteschmiede, der vor dem Etappenstart in Wasungen seinem Vater Eddy per Handy zum 65. Geburtstag gratuliert hatte. "Degenkolb war heute der Chef im Feld".

Das Feld kam ebenso gebeutelt wie gespalten ins Ziel. 51 Sekunden hinter den beiden Spitzenreitern führte der Cottbuser Nikias Arndt eine 21-köpfige Verfolgergruppe ins Ziel, in der der erneut stark agierende Maximilian May seine Ambitionen auf eine WM-Nominierung für das Championat in Down under unterstrich und sich auf den Gesamtrang sieben vorkämpfte. Hochachtung nötigte aber auch die engagierte wie disziplinierte Leistung der anderen Renner im roten Energietrikot ab, die bei den Verfolgungsjagden immer ganz vorn kurbelten und ihrem Kapitän bis zur Schlussrunde um die frühere Skispringerhochburg den Rücken freihielten.

Auf der von Sonne und böigem Wind begleiteten Etappe durch den Thüringer Wald hatte eine vierköpfige Gruppe mit dem Belgier Kouwenhoven, dem Franzosen Louyest, dem Berliner Bodenschatz und dem Bayern Knauer bis zur ersten Zielpassage in Brotterode einen Vorsprung von zwei Minuten herausgefahren. Doch auf der mit drei Bergwertungen gespickten 42 km langen Schlussrunde wurden die Karten neu gemischt. Mit Pokern bis zum letzten Berg. Und Degenkolb als Joker.

Die 4. Etappe führt am Freitag mit Start und Ziel in Bad Berka über 142 Kilometer.