33.
10. - 15.Juni 2008
Thüringenrundfahrt
Experiment gelungen
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Was in Gotha begann, endete 724 Kilometer später vor der Thüringenhalle in Erfurt mit einem vollen Erfolg für alle Beteiligten. Während Patrick Gretsch vom Thüringer Energie Team im Blitzlichtgewitter im Gelben Trikot den Gesamtsieg bei der 33. Internationalen Thüringen-Rundfahrt U23 feierte, durften die Organisatoren hinter den Kulissen ein Experiment als gelungen betrachten und eine positive Bilanz ziehen.

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Das Finale der schweren Rundfahrt für die weltbesten Talente aus der Altersklasse unter 23 Jahren bildete in diesem Jahr der Klassiker "Rund um die Hainleite". Erstmals richtete die Teamspirit GmbH im Auftrag des Thüringer Radsport-Verbandes (TRV) die traditionsreiche Tour aus. "Die Hainleite in die Rundfahrt zu integrieren, das war ein voller Erfolg", sagte Geschäftsführer Jörg Werner, der gleichzeitig als Manager des Thüringer Energie Teams aufgrund des sportlichen Erfolges seiner Mannschaft mit den Etappensiegen in Bad Blankenburg für John Degenkolb und dem Zeitfahrsieg von Gretsch in Bad Berka sowie dem Gesamtsieg für den früheren Junioren-Weltmeister vollauf zufrieden sein durfte.

Günstig wirkte sich dabei auch die Konstellation vor der letzten Etappe aus. Im Prinzip wurde die Rundfahrt erst auf der 7,4 Kilometer langen Schlussrunde durch die Arnstädter Hohle entschieden. "Das war der krönende Abschluss. Damit wurden die Zuschauer dafür entschädigt, dass diesmal keine Profis wie in den vergangenen Jahren unterwegs waren. Und trotzdem war es toller Sport", freute sich Jörg Werner, der auch mit der Zuschauerresonanz zufrieden war: "Zum Finale in Erfurt waren es bestimmt 6000 bis 7000 Zuschauer. Und das ist für ein U23-Rennen eine erstaunliche Kulisse."

Auch sonst erhielten die Organisatoren um den neuen Rennleiter Kai Röckert, dem 310 freiwillige Helfer zur Seite standen, viel Lob. "Ausstattung und Organisation sind noch professioneller geworden", sagte Manuel Goetz aus Frankreich, der zum zehnten Mal als Sprecher von Radio Thüringen-Tour fungierte.

Die größten Glücksgefühle aber dürfte wohl Patrick Gretsch verspürt haben, der sich mit einem grandiosen Zeitfahren in Bad Berka auf den ersten Platz katapultierte und den Vorsprung auf der letzten Etappe auch dank seines Teamkollegen John Degenkolb verteidigen konnte. "Ich bin einfach nur noch stolz, schließlich ist die Thüringen-Rundfahrt die wichtigste Etappenfahrt dieser Altersklasse", jubelte der 21 Jahre alte IT-Kaufmann im Ziel.

Thüringen-Rundfahrt setzt Maßstäbe

728 Kilometer, sechs Etappen, zwölf Sprint- und neun Bergwertungen. Dem Sieger der 33. Auflage der "Thüringen-Rundfahrt" werden auch in diesem Jahr wieder mächtig die Beine brummen. Am 10. Juni fällt um 15 Uhr in Gotha der Startschuss für insgesamt 20 Teams. Am 15. Juni wird gegen 15 Uhr nach dem Radklassiker "Rund um die Hainleite", der den krönenden Abschluss der Tour bildet, der Gewinner aufs Siegerpodest klettern und das letzte Gelbe Trikot überstreifen können.

Klettern müssen die Fahrer aber nicht nur auf der Schlussetappe; nämlich erst über den Kyffhäuser und dann drei Mal die Arnstädter Hohle hinauf. Bevor sie in Erfurt die erste Zielpassage absolvieren, werden sie außerdem eine ordentliche Kraxelei durch den Thüringer Wald hinter sich haben. Am Berg, so glaubt der Sportliche Leiter Torsten Nitsche, wird die Entscheidung auch in diesem Jahr fallen. "Richtungsweisend wird vor allem das Zeitfahren, also die fünfte Etappe sein. Es ist sehr schwer. Man könnte auf dem Kurs rund um Bad Berka sicher ohne Probleme sogar eine WM austragen", meint der Ex-Profi, der die Strecken wie schon im vergangenen Jahr gründlich ausgesucht und dabei ein feines Händchen bewiesen hat. Den Scharfrichter der Rundfahrt sieht Nitsche auf der Königsetappe am dritten Tag. Die ist zwar mit 126 Kilometern relativ kurz. Dafür geht es rund um Masserberg nur hoch und runter. Zwei Bergwertungen der höchsten und zwei der zweiten Kategorie warten hier auf das 120 Mann starke Fahrerfeld. Die Sprinter können auf der vierten Etappe von Stadtilm nach Waltershausen ihre Schnelligkeit beweisen.

Insgesamt werden neun Nationalteams von drei Kontinenten an den Start gehen. Die "Thüringen-Rundfahrt" genießt mit den höchsten Stellenwert im internationalen U23-Radsport. Viele Gesamt- und Etappensieger der letzten Jahre sind inzwischen namhafte Profis. Thomas Dekker, Pieter Weening, Markus Fothen oder Tony Martin - um nur einige zu nennen. Für sie alle stellte die Tour durch den Freistaat ein Sprungbrett in die ProTour dar. Deshalb verwundert auch die diesjährige Teilnahme der weltbesten Nachwuchsteams nicht. Allen voran ist das Team Rabobank zu nennen. Der Dauerrivale des Thüringer Energie Teams schickt mit Dennis van Winden einen der Abräumer der bisherigen Saison ins Rennen. Starke Konkurrenz kommt aber auch aus den deutschen Reihen. LKT, Ista, 3C Gruppe Lamonta und das KED-Bianchi Team wollen in den Kampf um die Platzierungen eingreifen. Für Überraschungen gut sind die Nationalteams aus Österreich, Frankreich, der Ukraine oder der Schweiz, das im Vorjahr mit Mathias Frank in einem Wimpernschlagfinale und zwei Sekunden Vorsprung vor Tony Martin gewinnen konnte.

Die "Thüringen-Rundfahrt" wird in diesem Jahr erstmals von der Teamspirit GmbH ausgetragen und organisiert. Insgesamt sind über 100 Helfer am Gelingen der Tour beteiligt.

Thüringen-Rundfahrt und Hainleite wachsen zusammen
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JA, der Radsport hat sich in die Krise manövriert. Teams und Veranstalter kämpfen um Sponsoren und damit ums Überleben. Das ist z.B. in Niedersachsen so, in Hessen und natürlich auch in Thüringen. Drei feste Termine hatte der Freistaat nach dem Mauerfall im internationalen Rennsportkalender etabliert, die "Thüringen-Rundfahrt" der Frauen bzw. der U23 und den "Radklassiker Hainleite". Bereits seit Ende Januar steht nun fest, daß die "Hainleite" 2008 nicht als Eintagesrennen ausgetragen, sondern als Schlußetappe in die "Internationale Thüringen-Rundfahrt  U23" eingebunden wird.

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Eine ähnliche Konstellation in der 100-jährigen Geschichte der "Hainleite" gab es schon einmal Ende der 80er Jahre. Der Klassikercharakter mit der bewährten Streckenführung über den Kyffhäuser zurück nach Erfurt, wo die Schlussrunden mit dem Publikumsmagnet Arnstädter Hohle stattfinden, soll dabei erhalten bleiben. "Die 'Hainleite' wird nicht sterben", sagt Rennleiter Jörg Werner, der in diesem Jahr mit der Teamspirit GmbH erstmals auch für die Austragung der "Thüringen-Rundfahrt" verantwortlich ist.

Diese Neuausrichtung geht mit dem Konzept des Thüringer Radsportverbandes einher, das die Ausbildung von Nachwuchsfahrern mit der Obergrenze U23 in den Mittelpunkt stellt. Werner glaubt, mit der Zusammenführung der beiden Radsport-Highlights werde das Publikumsinteresse weiter wachsen. "Wir wollen die Kräfte bündeln und mit der 'Thüringen-Rundfahrt' ein Rennen etablieren, das so in seiner Art europaweit einmalig ist", so Werner. Nachlassende Zuschauerzahlen, weil bei einer U23-Rundfahrt namhafte Profis fehlen werden, die die Fans an die Strecke locken, fürchtet er indes nicht. "Es steht außer Frage, dass die zu Hause bleiben, die mal einen Jens Voigt oder einen anderen Star aus der Nähe sehen wollen, sich aber sonst nicht für Radsport interessieren. Es kommen nur noch echte Radsport- oder allgemeine Sportfans. Das war schon letztes Jahr so. Und die, die letztes Jahr trotz all der Querelen und Enthüllungen da waren, werden auch wiederkommen", meint Jörg Werner, "denn an dem erstklassigen Sport und der Spannung wird sich nichts ändern."

Druck vom Hauptsponsor beider Rennen, der E.ON Thüringer Energie AG, die "Hainleite" nicht als Profi-Rennen auszutragen, hat es dabei nicht gegeben. "E.ON Thüringer Energie steht voll und ganz hinter unserer Arbeit. Aber wir brauchen auch keine Augenwischerei zu betreiben. Die Entwicklungen bei den Profis belasten den ganzen Radsport." Trotzdem konnte mit der Gelenkwellenwerk Stadtilm GmbH ein neuer Sponsor für die "Thüringen-Rundfahrt" hinzugewonnen werden. "Das ist ein Zeichen dafür, dass Radsport in Thüringen auch weiterhin einen hohen Stellenwert mit viel Begeisterungspotenzial genießt", so Werner. Die "Thüringen-Rundfahrt" startet am 10. Juni in Gotha und führt über Bad Blankenburg, Masserberg, Waltershausen, Bad Berka hin zum großen Finale nach Erfurt.

Wir sagen JA zum Radsport, denn in jeder Krise steckt die Chance, etwas zu verändern.

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