JA, der Radsport hat sich in die Krise manövriert. Teams und Veranstalter kämpfen um Sponsoren und damit ums Überleben. Das ist z.B. in Niedersachsen so, in Hessen und natürlich auch in Thüringen. Drei feste Termine hatte der Freistaat nach dem Mauerfall im internationalen Rennsportkalender etabliert, die "Thüringen-Rundfahrt" der Frauen bzw. der U23 und den "Radklassiker Hainleite". Bereits seit Ende Januar steht nun fest, daß die "Hainleite" 2008 nicht als Eintagesrennen ausgetragen, sondern als Schlußetappe in die "Internationale Thüringen-Rundfahrt U23" eingebunden wird.
Eine ähnliche Konstellation in der 100-jährigen Geschichte der "Hainleite" gab es schon einmal Ende der 80er Jahre. Der Klassikercharakter mit der bewährten Streckenführung über den Kyffhäuser zurück nach Erfurt, wo die Schlussrunden mit dem Publikumsmagnet Arnstädter Hohle stattfinden, soll dabei erhalten bleiben. "Die 'Hainleite' wird nicht sterben", sagt Rennleiter Jörg Werner, der in diesem Jahr mit der Teamspirit GmbH erstmals auch für die Austragung der "Thüringen-Rundfahrt" verantwortlich ist.
Diese Neuausrichtung geht mit dem Konzept des Thüringer Radsportverbandes einher, das die Ausbildung von Nachwuchsfahrern mit der Obergrenze U23 in den Mittelpunkt stellt. Werner glaubt, mit der Zusammenführung der beiden Radsport-Highlights werde das Publikumsinteresse weiter wachsen. "Wir wollen die Kräfte bündeln und mit der 'Thüringen-Rundfahrt' ein Rennen etablieren, das so in seiner Art europaweit einmalig ist", so Werner. Nachlassende Zuschauerzahlen, weil bei einer U23-Rundfahrt namhafte Profis fehlen werden, die die Fans an die Strecke locken, fürchtet er indes nicht. "Es steht außer Frage, dass die zu Hause bleiben, die mal einen Jens Voigt oder einen anderen Star aus der Nähe sehen wollen, sich aber sonst nicht für Radsport interessieren. Es kommen nur noch echte Radsport- oder allgemeine Sportfans. Das war schon letztes Jahr so. Und die, die letztes Jahr trotz all der Querelen und Enthüllungen da waren, werden auch wiederkommen", meint Jörg Werner, "denn an dem erstklassigen Sport und der Spannung wird sich nichts ändern."
Druck vom Hauptsponsor beider Rennen, der E.ON Thüringer Energie AG, die "Hainleite" nicht als Profi-Rennen auszutragen, hat es dabei nicht gegeben. "E.ON Thüringer Energie steht voll und ganz hinter unserer Arbeit. Aber wir brauchen auch keine Augenwischerei zu betreiben. Die Entwicklungen bei den Profis belasten den ganzen Radsport." Trotzdem konnte mit der Gelenkwellenwerk Stadtilm GmbH ein neuer Sponsor für die "Thüringen-Rundfahrt" hinzugewonnen werden. "Das ist ein Zeichen dafür, dass Radsport in Thüringen auch weiterhin einen hohen Stellenwert mit viel Begeisterungspotenzial genießt", so Werner. Die "Thüringen-Rundfahrt" startet am 10. Juni in Gotha und führt über Bad Blankenburg, Masserberg, Waltershausen, Bad Berka hin zum großen Finale nach Erfurt.
Wir sagen JA zum Radsport, denn in jeder Krise steckt die Chance, etwas zu verändern.